Bürgerentscheid Nationalpark: Heftiger und spannender Schlagabtausch

Nationalpark
v.l.: CDU-Ortsunion informiert zum Bürgerentscheid Nationalpark Egge, Ortsunionsvorsitzender André Springer mit dem Fachreferenten des Abends und Kreistagsmitglied Dipl. Ing. Ludger Konersmann.

Paderborn diskutiert – Paderborn stimmt ab: Bis zum 12. Juni um 12.00 Uhr müssen die Stimmen des Bürgerentscheides bei der Kreisverwaltung abgegeben sein. Dort ausgezählt wird spätestens am 18. Juni das Ergebnis verkündet, ob der Kreis Paderborn einen Antrag beim Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr stellen soll, um sich für die Einrichtung eines Nationalparks Egge zu bewerben.

Aus seiner Meinung macht der Referent und CDU-Kreistagsmitglied Ludger Konersmann im Saal des Cafés und Restaurants „Zu den Fischteichen“ keinen Hehl: „Ich bin für die Nationalparkidee, wenn ein Gebiet von Natur, räumlicher Beschaffenheit oder Größe dazu geeignet ist. Leider ist es die Egge in der vorgeschlagenen Form nicht.“ Daher empfiehlt die CDU Paderborn, wie es der CDU-Ortsunionsvorsitzende André Springer in seinem Schlusswort betont, beim Bürgerentscheid mit „Nein“ zu stimmen.

Unionspolitiker Konersmann hat es sich bei seinem Urteil nicht leicht gemacht. Fachlich fundiert setzt er sich mit der sogenannten „räumlichen Kulisse“ des geplanten Nationalparks auseinander: Sein Fazit ist eindeutig und ernüchternd: „Zu schmal, zu klein, von ICE-Trasse und Bundesstraßen zerschnitten, ohne Zukäufe von Privatland ist der Staatsforst als Nationalpark nur ein ungeeigneter Flickenteppich.“

Heftige Kritik übt der Referent an der Politik Oliver Krischers, grüner NRW-Umweltminister: „Der Nationalpark soll als grünes Prestigeprojekt gegen jede Vernunft durchgedrückt werden, dafür werden Anmeldefristen verlängert, vernünftige Fragestellungen bleiben unbeantwortet, wie zum Beispiel nach den zusätzlichen Personalkosten oder dem für einen Nationalpark nötigen Wegerückbau. Juristisch präzise erläutert wird vor dem Hintergrund des Bundesnaturschutzgesetzes die internationale Definition des Begriffs Nationalpark („Flora und Fauna haben Vorrang vor dem Menschen“). Forstleute rechnen in Generationen beim Wachsen des Baumbestandes. Da wundert es nicht, dass es allein 30 Jahre Übergangszeit mit zahlreichen Qualitätskontrollen dauert, bis ein Waldgebiet wie die Egge zum Nationalpark wird.

Im Vergleich bewertet der Unionspolitiker andere Nationalparks in Deutschland, wobei neben ausbleibenden Finanzierungszusagen und Geldmangel, auch das Kompetenzgerangel unterschiedlicher Bundesländer eine wichtige Ursache für Probleme sind („Nationalpark Harz gleich Harzinfarkt“). Aber es gibt über deutsche Nationalparks auch Positives zu berichten. So sieht Konersmann den Nationalpark Eifel als besser geeignetes Projekt oder den Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen als besonders gut gelungen an: „Die drei Teilflächen um den Edersee mit freigelassenen Nutzungszonen um die Seen ist seit 20 Jahren ein echtes Leuchtturmprojekt.“

Die regionalen Industrie- und Handelskammern, ebenso die Land- und Forstwirtschaft rechnen langfristig mit einem Verlust von 700 Arbeitsplätzen und 100 Millionen Euro Umsatzeinbußen. Auch sind die hohen Investitionen für Personal und Naturparkzentrum (immerhin 50 Millionen Euro im Nationalpark Schwarzwald) und die Betriebskosten von jährlich 10 Millionen auch wenn sie aus Düsseldorf und nicht aus Stadt und Kreis Paderborn kommen, Steuergelder, die die Bürgerinnen und Bürger in NRW aufbringen müssen.

Konersmanns Resümee: „Unsere Egge ist einfach nur schön. Sie ist ein Juwel mit Ihrer sehr hohen Artenvielfalt. Sie genießt jetzt schon den Status eines Naturparks und ist damit ausreichend geschützt. Vier Veranstaltungen hat der Kreispolitiker mit großem Erfolg bereits durchgeführt, aber „…eine so sachkundige Diskussion, auch mit den Befürwortern des Nationalparks Egge, wie heute, hatten wir noch nicht“ lobt der Referent sein Publikum.

Foto: CDU Ortsunion Paderborn

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