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Einseitiger als im Kalten Krieg
Donnerstag, 04 September 2014 | Autor: Carsten Schmitt

Arno Klönne und Jürgen Feldhoff zum Umgang mit dem Ukraine-Konflikt

Der „Kampfplatz Ukraine“ war aktuelles Thema einer zahlreich besuchten Veranstaltung des Linken Forum Paderborns. Die Soziologieprofessoren Arno Klönne und Jürgen Feldhoff verstanden darunter auch den medialen Kampfplatz und nahmen bei ihren umfassenden und kenntnisreichen Referaten insbesondere die Rolle der hiesigen Printmedien kritisch in den Blick.

Arno Klönne verwies etwa auf mehrere Spiegel-Aufmacher, die Wladimir Putin im Zusammenhang mit dem ungeklärten Absturz eines Passagierflugzeuges das Etikett eines „Brandstifters“ anhefteten und anmahnten, dass die „Feigheit“ Europas nun „ein Ende haben“ müsse, militärische Maßnahmen inbegriffen. Die ostukrainischen Separatisten, eine inhomogene und vielgestaltige Bewegung mit regional je eigenen Interessen, seien kurzerhand zu „Handlangern“ des russischen Präsidenten erklärt worden. Manche Zeitungsartikelschreiber verstiegen sich bei der Kennzeichnung Putins sogar zu Stalin- und Hitler-Vergleichen. „Eine derart einseitige Berichterstattung gab es nicht einmal in der Zeit des Kalten Krieges“, erinnerte sich Klönne.

Seinerzeit wie heute dienten solche verbalen Aufrüstungen ideologischer Verschleierung, die von handfesten Interessen, seien sie geostrategischer, militärischer oder ökonomischer Art, ablenken solle. Unbestreitbar, so Klönne, sei eine „Ausweitung der Einflusszone der NATO, dominiert von den USA, Richtung Osten.“ Diesem Ziel habe auch die geheimdienstliche und militärische Mithilfe an den Umwälzungen der Ukraine gedient. „Eine solche extern injizierte Destabilisierung eines Landes, Signum eines neuen imperialen Politikstils, birgt jedoch die Gefahr eines Zauberlehrling-Effekts in sich. Die verselbständigten Konflikte entwickeln eine Eigendynamik, deren zerstörerische Folgen noch gar nicht abzusehen sind.“ Aus Sicht der EU, speziell der Bundesrepublik, bedeuteten die ukrainischen Entwicklungen ein vollständiges Fiasko.

Jürgen Feldhoff verwies auf das Fehlen einer zivilgesellschaftlich getragenen Öffentlichkeit in der Ukraine und in Russland. „Die Berichterstattung ist in weiten Teilen staatlich gelenkt.“ Wenige Blogger im Internet, denen an differenzierter Darstellung der Interessenkonflikte gelegen sei, seien nicht der Lage, eine nennenswerte politische Bewegung zu initiieren.

Klönne und Feldhoff waren sich darin einig, dass die Entwicklung einer Gegenöffentlichkeit zu der konfliktverschärfenden Einseitigkeit der Leitmedien hierzulande dringend nötig sei.
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