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Zahl der Langzeitarbeitslosen wesentlich höher als ausgewiesen
Montag, 16 Oktober 2017

Der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege in NRW belegt: Seit 2009 wurde die öffentlich geförderte Beschäftigung für Menschen im Hartz-IV-Bezug auch in den Städten und Kreisen im Erzbistum Paderborn drastisch reduziert.

Paderborn/Arnsberg (cpd). Die offiziellen Verlautbarungen zum Arbeitsmarkt verschleiern das tatsächliche Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit. Das zeigt der aktuelle von der Wohlfahrtspflege in NRW herausgegebene Arbeitslosenreport NRW. Die gleiche Tendenz ist auch in den Kommunen und Kreisen des Erzbistums Paderborn festzustellen: Lag die Zahl der sogenannten Langzeitleistungsbezieher, also der Menschen, die in den vergangenen 24 Monaten wenigstens 21 Monate Hartz-IV-Leistungen bezogen haben, dort zuletzt bei 260.600, wies die offizielle Zahl lediglich 81.000 Langzeitarbeitslose aus.

Denn viele "Langzeitleistungsbezieher" tauchen per Definition nicht als "Langzeitarbeitslose" in der Statistik auf, weil sie beispielsweise krankgeschrieben wurden oder an einer Maßnahme der Arbeitsförderung teilnahmen. NRW-weit gab es deshalb zuletzt zweieinhalbmal so viele Langzeitleistungsbezieher wie Langzeitarbeitslose. "Die enge Definition von Langzeitarbeitslosigkeit hat weitreichende Folgen: Sie ist nämlich das ausschlaggebende Zugangskriterium für öffentlich geförderte Beschäftigung", kritisiert Paderborns Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig, der auch Vorsitzender des Ausschusses Arbeit/Arbeitslosigkeit der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen ist.

"Langzeitleistungsbezieher" haben auf diese Förderung keinen Anspruch. Die Freie Wohlfahrtspflege stellt dieses Kriterium deshalb in ihrem Arbeitslosenreport grundsätzlich in Frage. Wie in ganz NRW ist auch im Erzbistum Paderborn als Folge daraus die öffentlich geförderte Beschäftigung seit 2009 auf weniger als die Hälfte geschrumpft. Hatten 2009 noch rund 16.900 erwerbsfähige Hilfebedürftige in den Kommunen und Kreisen im Erzbistum eine öffentlich geförderte Beschäftigung angeboten bekommen, waren es in diesem Jahr nur noch 7.300.

"Wir brauchen aber nicht weniger, sondern mehr Anstrengungen bei der öffentlich geförderten Beschäftigung", erklärt Josef Lüttig. Die Jobcenter benötigten dafür vom Bund erheblich höhere Zuweisungen zweckgebundener Eingliederungsmittel, um langfristige öffentlich geförderte Beschäftigungsverhältnisse einrichten zu können. Wichtig sei ein sogenannter "Passiv-Aktiv-Transfer", bei dem das eingesparte Arbeitslosengeld und die Fördermittel für die Unterkunftskosten zur teilweisen Finanzierung des Arbeitsplatzes eines vormals Langzeitarbeitslosen verwandt werden. Denn: "Wir sollten nicht Arbeitslosigkeit, sondern soziale Teilhabe und Beschäftigung finanzieren", sagt Josef Lüttig.

Dass öffentlich geförderte Beschäftigung erfolgreich sein kann, zeige das Modellprogramm "Öffentlich geförderte Beschäftigung NRW", bestätigt auch Simone Tillmann vom Caritasverband Arnsberg-Sundern. Im Rahmen des Modellprogramms begleitet sie 15 Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose. Durch die intensive persönliche Begleitung, gute Qualifizierungsmöglichkeiten der Beschäftigten sowie durch Lohnkostenzuschüsse von bis zu 75 Prozent gelinge es, teilnehmende Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies werde auch von der Wirtschaft positiv wahrgenommen. "Eine Öffnung des Programms für die Privatwirtschaft wäre daher wünschenswert und würde auch den Beschäftigten mehr Möglichkeiten bieten", sagt Simone Tillmann.

(Zahlen zu allen Kreisen und kreisfreien Städten in NRW unter www.arbeitslosenreport-nrw.de)

Hintergrund "Arbeitslosenreport NRW":
Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den "Arbeitslosenreport NRW". Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen für NRW; Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarkt-Berichterstattung kritisch zu hinterfragen und die Situation in NRW zu beleuchten.
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