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Raus aus dem Spießerglück
Dienstag, 27 März 2018

LWL-Freilichtmuseum Detmold startet am 29. März mit den anderen 60er Jahren in die neue Saison

Detmold (lwl). Woodstock, die Studentenbewegung der 68er oder der Beginn des Farbfernsehens - all jene Dinge sind wohl die ersten Assoziationen, wenn man rückblickend auf die 1960er Jahre schaut. Doch sind dies die einzigen Erinnerungen? Bei Gesprächen mit Zeitzeugen zeigt sich ein ganz anderes, privateres Bild des Jahrzehnts. Das LWL-Freilichtmuseum Detmold stellt aus genau diesem Grund im Themenjahr 2018 unter dem Titel "Raus aus dem Spießerglück" diese anderen 60er Jahre in den Mittelpunkt. Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) befasst sich vom 29. März bis 31. Oktober mit verschiedenen Facetten, die exemplarisch für die Alltagskultur der 60er Jahre stehen.

"Gerade die in den Medien präsenten Großereignisse, wie beispielsweise die Studentenunruhen nach dem Tod Benno Ohnesorgs, haben den Alltag der Menschen, ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen viel weniger bestimmt, als man in der Rückschau vielleicht meinen könnte", erläuterte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara-Rüschoff-Parzinger bei der Vorstellung des Themenjahres am Montag (26.3.). Die ersten Reisen ins Ausland, die Zeit bei der Bundeswehr oder der erste Winnetou-Film 1962 im Kino - es sind häufig die scheinbar alltäglichen Gegebenheiten, die die Menschen am meisten geprägt haben. Das Besondere ist, dass es sich bei allen in der Ausstellung gezeigten Objekten um Leihgaben und Stiftungen handelt, die das Themenjahr zu einer Ausstellung von Besuchern für Besucher machen. Über 70 Menschen sind einem Aufruf des Museums Mitte vergangenen Jahres gefolgt.

Rüschoff-Parzinger: "Es hat sich in den Berichten der Zeitzeugen gezeigt, dass das Leben der Menschen abseits der großen weltpolitischen Ereignisse in den 60er Jahren zunächst weiterhin seinen gewohnten Gang nahm und sich Veränderungen nur sehr langsam vollzogen haben. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass die Frauen beispielsweise kaum eigene Entscheidungen treffen konnten, etwa bei der Berufstätigkeit den Ehemann fragen mussten, und ihm mittags noch sein Essen im Henkelmann zur Arbeit brachten." Die Sonderausstellung im Paderborner Dorf greift deshalb jene Geschichten und Objekte aus der Bevölkerung auf, die diese Widersprüche verdeutlichen und in denen sich viele Besucher wiedererkennen werden.

Doch nicht nur Themen wie Musik, Migration oder Mode stehen im Mittelpunkt, in der Sonderausstellung gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, abseits der Vitrinen miteinander ins Gespräch zu kommen. So stellt das Museum Fragen, die sich gezielt an die ganz persönlichen Erinnerungen der Besucher zu den 60er Jahren richten: Was verbinden sie mit den 60er Jahren? Welche Themen haben sie in diesem Jahrzehnt besonders bewegt? "Wir möchten die Besucher während des gesamten Themenjahres mit der Ausstellung dazu bringen, uns ihre Erinnerungen mitzuteilen", sagt LWL-Museumsdirektor Prof. Dr. Jan Carstensen. "Wir zeigen, dass dieses Jahrzehnt eben nicht nur aus der 68er-Revolte bestand, sondern viel mehr Aspekte umfasst."

Spielerisch sollen vor allem junge Museumsbesucher an das Thema herangeführt werden. Dafür hat das LWL-Freilichtmuseum eine große Memorywand aufgebaut, auf der Alltagsgegenstände aus den 60er Jahren denen von heute gegenüber gestellt werden. Heute ersetzt der Instagram-Post beispielsweise die Postkarte oder das Handy ein altes Drehscheibentelefon.

An 16 Stationen, die im Museumsgelände verteilt sind, haben die Besucher Gelegenheit, typische Alltagsgegenstände der 60er Jahre zu sehen wie die Einbauküche oder den "Schneewitchensarg", einen Schallplattenspieler mit durchsichtigem Deckel. "Wir zeigen diese Gegenstände ganz bewusst in den historischen Häusern, in die sie zeitlich gar nicht hineinpassen, um diesen Kontrast besonders zu betonen", erklärte die Ausstellungskuratorin Janina Raub. "Dadurch stellen wir weitere Themen der 60er Jahre in den Mittelpunkt wie die Geschlechterrollen, das Farbfernsehen oder die Veränderungen im Wohnen."


Begleitprogramm und Veranstaltungshöhepunkte

Ein besonderer Höhepunkt ist in dieser Saison das 60er-Jahre-Wochenende. Vom 27. bis 29. Juli dreht sich im LWL-Freilicht¬museum Detmold alles um Oldtimer, Heinkel-Roller, Musik, Hochsteckfrisuren und Co. Gemeinsam mit den Textilerinnen des Museums können die Besucher mehr über Batik und Blaudruck erfahren oder mithilfe der damals und auch heute wieder beliebten Makramee-Technik Armbänder knüpfen.

Mit dem Freilichtgenuss (1./2. 9.), der 2018 zum fünften Mal stattfindet, und dem Museumsadvent (7.-9. 12.) ergänzen zwei Großveranstaltungen das Jahresprogramm. Alle, die gerne einen eintrittsfreien Tag für ihren Museumsbesuch nutzen möchten, sollten sich jeweils am 13. eines Monats auf den Weg ins LWL-Freilichtmuseum Detmold machen. Einzige Ausnahme: Da der 13. August ein Montag ist, ist im August der 14. eintrittsfrei.

Architekturwettbewerb für neues Eingangs- und Ausstellungsgebäude "Ganz besonders ist für uns in diesem Jahr auch, dass parallel zur Saison der Architekturwettbewerb zum Bau eines neuen Eingangs- und Ausstellungsgebäudes stattfindet. Der Wettbewerb wird voraussichtlich im November abgeschlossen sein, so dass wir auf einen Baubeginn 2020 hoffen", so Rüschoff-Parzinger. "Das Gebäude ist ganz entscheidend, um das Freilichtmuseum in die Moderne zu führen und in Zukunft größere Sonderausstellungen und durch neue Räume weitere museumspädagogische Programme zu ermöglichen."

Weitere Informationen zum Themenjahr und zum Begleitprogramm gibt es auch im Internet: http://www.lwl-freilichtmuseum-detmold.de.
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