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Wesseler (CDU) und Schäfer (SPD) gemeinsam zur Zukunft der Senne
Dienstag, 12 April 2011

  • Senne- Koalition will Ergebnis- offene Prüfung ohne Tabus
  • Polit- Veteranen fordern Dialog und Kompetenz ein

Hövelhof. Eine ungewöhnliche "Große Koalition" sucht die Öffentlichkeit, weil ihr die derzeitige Senne - Debatte in weiten Teilen zu rückwärtsgewandt sowie mehr von Wunschdenken und Desinformation als von Realismus und Fakten geprägt ist. Die beiden langjährigen Kreistagsabgeordneten Ferdinand Wesseler (CDU) und SPD- Fraktionschef Bernd Schäfer - beide aus Hövelhof und früher oft parlamentarische Widersacher - rufen daher zu einer breit geführten Diskussion über die Zukunft der Region auf. Diese muss nach ihrer Auffassung aber verstärkt von Kompetenz und Verantwortung getragen und zumindest zunächst im Ergebnis offen sein.

Wesseler und Schäfer verweisen z.B. auf die neuesten Meldungen über Kündigungswellen bei der britischen Rheinarmee und halten die Forderung in der nahezu einmütigen Hövelhofer Rats- Resolution nach Andauer der militärischen Nutzung der Senne für entsprechend unrealistisch.

Zwar sei die politische Auseinandersetzung früher nach dem Motto: Wie hältst Du es mit den Briten? einfacher gewesen. Basis aller Überlegungen müsse aber nunmehr die autonome Abzugsentscheidung der Regierung in London sein, an der es keine belastbaren Zweifel geben könne.

Auch die Treueschwüre zum Bundeswehr - Standort Augustdorf halten die Polit- Veteranen für irreführend, weil der ohnehin von Niemandem in Zweifel gezogen wird. Angesichts der Reduzierungs- Entscheidung in Berlin, incl. der Schließung von Standorten sei aber auch an der Stelle allenfalls ein Status quo zu erwarten.

Schließlich kritisieren Wesseler und Schäfer das öffentliche Verwirrspiel um den künftigen Status der Senne. SPD- Fraktionschef Bernd Schäfer: " Auch hier muss eine entscheidende Tatsache endlich zur Kenntnis genommen werden: Der derzeitige Naturschutz in der Senne (FFH etc.) und das damit verbundene Verschlechterungsverbot schließt eine Naturschutz- Light -Zukunft etwa als Naturpark oder als Landschaftsschutzgebiet definitiv aus. Ein Biosphärenreservat ginge fachlich, bräuchte aber mit mindestens 30.000 Hektar fast die 3-fache Größe. Zudem müsste das Landschaftsgesetz erst entsprechend angepasst werden. Bleibt noch der Status als Naturschutzgebiet - mit erheblichen Kosten für die kommunale Familie - oder als Nationalpark. So sind nun einmal die Fakten, nicht anders und nicht diskutabel."

Gestandene Kommunalpolitiker sollten, so Schäfer weiter, so einfache Grundkenntnisse eigentlich beherrschen. Er lese jedoch, dass einige von ihnen den abgeriegelten Truppenübungsplatz auf ewig behalten wollen und gleichzeitig einen Nationalpark ablehnen, weil der - angeblich - nicht betreten werden darf. "Da fühle ich mich als Leser dann nur noch vereimert."

Ferdinand Wesseler möchte nicht das ökologische Juwel der Senne wie auch die regionalwirtschaft-lichen Zukunftschancen der Region im Gezerre von Rechthaberei und Zaudern gefährdet sehen. Er wünscht sich die Einbeziehung der Bevölkerung in den Diskurs. Wesseler: "Die Abzugsentscheidung der Briten hat zweifellos negative Auswirkungen. Sie hat aber auch Chancen. Und die müssen jetzt nüchtern, mit Realismus und ohne überlieferte Tabus ausgelotet werden. Probleme auf dem Weg zu einer guten Zukunft dürfen nicht als (willkommene) Totschlagargumente eingesetzt, sondern sie können und müssen gelöst werden. Das gilt auch für die Frage einer Gebietskulisse, möglicherweise über die Senne hinaus. Tendenziös unterlegte Unterschriftensammlungen sind dagegen ebenso kontraproduktiv wie manche von Realitätsverweigerung geprägten Anträge und Resolutionen in Kommunalparlamenten."

Ihm seien, so ergänzt Bernd Schäfer, zum Beispiel eine Menge ernst zu nehmender Sorgen und Argumente gegen einen Nationalpark bekannt: Vom Umgebungsschutz über Wildschäden und Verbuschung bis zum Rohstoffmangel der Holzwirtschaft. Diese und andere Vorbehalte hätten sich jedoch ausnahmslos als lösbar in einer Nationalparkverordnung oder auch anders erwiesen.

Wesseler und Schäfer wünschen den Verbleib der britischen Streitkräfte bis zum Ende des selbst gesetzten Abzugsdatums 2020 in der Senne. Das helfe den insgesamt 1.700 Zivilbeschäftigten, gebe die Zeit für Partizipation und Konsens bei den notwendigen Weichenstellungen und ermögliche fließende Übergänge. Beide rufen alle Akteure in den notwendigen Beteiligungsprozessen zur Sachlichkeit auf, was dann sicher von den Briten auch nicht als "Druck" empfunden würde. Landräte und Bürgermeister könnten Führung und Verantwortung für die Zukunft so übernehmen, wie das der lippische Landrat bereits seit Jahren tue.

Wesseler nennt das Ganze ein komplexes Thema. Über die gute Zukunft der Region für spätere Generationen werde aber in dieser Zeit entschieden. "Das ist schon den Schweiß der Edlen wert."

Bei allseits gutem Willen könne die "neue Senne" ein attraktiver Standortfaktor werden, neue Arbeitsplätze generieren und sich Identitäts- stiftend für die Menschen auswirken. Er erinnert in diesem Zusammenhang auch an die intensiven und streitigen Diskussionen um den "Sennelandschaftsplan", der nun schon bereits seit 1989 in Kraft sei.

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