Aikido: Die Kunst, nicht zu kämpfen

Aikido: Die Kunst, nicht zu kämpfen

Bei der Kampfsportart Aikido stehen Gesundheit und Selbstverteidigung im Vordergrund – Ein Training im Dojo des TV1875 Paderborn- Nur ein Verein in der Region Paderborn bietet Aikido an. Trotzdem kennt kaum jemand die japanische Kampfkunst. Was steckt dahinter? Aufschluss gibt das Aikido-Training des TV1875 Paderborn.

Eine angenehme Stille erfüllt die Sporthalle. Einige Sekunden innehalten, in sich gehen, den Alltag hinter sich lassen. Vor Stephan Brenner knien zehn Aikidoka – so nennt man Menschen, die die japanische Kampfsportart Aikido praktizieren. Ein schwarzer Hosenrock, genannt Hakama, bedeckt Stephans weißen Anzug von der Taille ab. Sein schwarzer Gürtel hält Stoffjacke und -hose zusammen. Er trägt den dritten Dan, ein hoher Rang. Der Trainer verneigt sich respektvoll vor seinen Schülern. Auch sie verneigen sich. Stephan klatscht kräftig in die Hände. Es kann losgehen.

Heute ist das Dojo, so nennen die Kampfsportler ihr Reich, ganz in den Händen der zehn Aikidoka und ihres Trainers. Die Handgelenke kreisen, der Rumpf wird mobilisiert. Nach einigen Kräftigungsübungen legen die Sportler los. Wozu die Aufwärmübungen dienen, wird schnell deutlich: Sie dehnen die Gelenke und üben das sichere „Auf-den-Boden-kommen“. Sauber abrollen ist das Ziel. Alternativ: fallen! Und zwar mit einem lauten Knall, der entsteht, wenn die Hand auf der Matte auftrifft. Ukemi heißt diese Fallschule auf Japanisch.

Frauen und Männer trainieren beim Aikido zusammen, Wettkämpfe wie in anderen Sportarten gibt es bei der japanischen Kampfkunst nicht. Stephan, seit über 10 Jahren Übungsleiter beim TV1875, ist schon seit Beginn der 90er Jahre dabei. Um seine Leidenschaft zu beschreiben, sagt er: “Ich fange mal an, was Aikido nicht ist: Wettkampf oder gegeneinander. Wir sprechen die ganze Zeit von Partnern.” Respektvoller Umgang also. “Der Kern der Sportart ist, einen Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Wir arbeiten in die gleiche Richtung.” Ganz wichtig: Niemand soll verletzt werden – auch nicht der Angreifer. Hinzu kommt ein “hoher moralischer Anspruch”, wie Stephan schildert. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen seine Schützlinge bei der nächsten Übung. In Zweiergruppen zusammen nimmt jeweils einer den Angreifer, der Partner lenkt die Energie an sich selbst vorbei. “Sie schlägt und du übernimmst das Zentrum”, erklärt der Trainer einem der Pärchen. Aus der Ferne erinnert das Bild an den Eröffnungswalzer eines Opernballs. Die Aikidoka drehen Pirouetten, in Wahrheit weichen sie aus.

“Das ist nichts für Streitsüchtige. Menschen, die rausfinden wollen, wer der Stärkere ist, fühlen sich hier nicht wohl”, sagt Stephan. Aber Langeweile wegen fehlender Wettkämpfe gibt es nicht. “Wir haben keine Gegner, das ist einer der größten Schätze die wir haben.” Um mit weiteren Aikidoka in Kontakt zu kommen, gibt es überregionale Lehrgänge, etwa in Lüneburg, Delbrück oder Berlin. Die Sportler sind gut vernetzt und treffen sich mehrmals im Jahr. “Aikido ist eine Randsportart, und wird auch eine bleiben”, sagt Stephan. Man müsse sich schon sehr für Kampfkunst interessieren, um auf Aikido aufmerksam zu werden. Der Zulauf sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Seit vielen Jahren gibt auch Kinder-und Jugendlichen-Aikido unter Trainer Deniss Ulrich. Was man mitbringen sollte? “Freude an der Bewegung.” Und: “Den Willen, etwas immer wieder zu üben, auch wenn es frustrierend sein kann.”.

Wer fit werden und gesund bleiben möchte, ist gerne eingeladen, mit im Paderborner Dojo zu trainieren!

Wer sich für Aikido interessiert, ist zu einem Probetraining herzlich eingeladen und willkommen (Dienstag für Anfänger und Fortgeschrittene, Donnerstag für Fortgeschrittene 20 bis 21.30 Uhr, Freitag für Kinder 17:30 – 18: 30/ Jugendliche 18:30 – 19:30 Uhr).

Weitere Informationen unter: http://www.aikido-paderborn.de.

Adresse: Friedrich-von-Spee-Gesamtschule, Weißdornweg 1

FOTO: Stephan Brenner demonstriert eine Wurftechnik mit dem Stock (Jo). ©Christoph Geisler

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